IMENEO – Mit Prunk, Punk und Prosecco

Raus auf‘s Land! – hier im alten Seuß­lit­zer Schloss soll­te sich der Traum vom wah­ren Künst­ler­le­ben erfül­len. Und zuerst lief es auch gut für die jun­gen Leu­te aus der Groß­stadt. Ros­me­ne, die sen­si­ble und begab­te Male­rin, hat hier Platz für ihre groß­for­ma­ti­gen Bil­der, Tirin­to, ihr Freund, kann end­lich den gan­zen Tag sin­gen, ohne damit jeman­den zu stö­ren und auch die ande­ren Freun­de der Schloss-WG genie­ßen das Künst­ler­le­ben in vol­len Zügen. Doch schon bald ist das Geld alle. So hilft nur eins, wenn sie nicht auf der Stra­ße lan­den wol­len: ein rei­cher Geld­ge­ber muss her, ein Kunst­lieb­ha­ber. Tat­säch­lich gelingt es ihnen, den ange­se­he­nen Ime­neo ein­zu­la­den. Sie ver­an­stal­ten ihm zu Ehren eine gro­ße hip­pe Kos­tüm­par­ty pas­send zum Schloss im Barock- Style. Ime­neo erscheint und er ist tat­säch­lich sehr ange­tan – aber mehr von Ros­me­ne als vom Schloss. Also schlägt er einen Deal vor: er will Ros­me­ne und erweist dafür sei­ne finan­zi­el­le Groß­zü­gig­keit. Ros­me­ne wehrt sich gegen Ime­ne­os Zudring­lich­keit, aber als ihre Freun­de sie bedrän­gen auf den Deal ein­zu­ge­hen, ver­liert sie den Boden unter den Füßen.

Wie die Geschich­te der Hän­del-Oper „Ime­neo“ aus­geht, kön­nen die Zuschauer:innen auf der Park­büh­ne des Schlos­ses Seuß­litz erfah­ren. Die Regis­seu­rin Anja-Chris­tin Wink­ler insze­niert ein Opern­en­sem­ble, das sich aus pro­fes­sio­nel­len Sänger:innen und einem Pro­jekt­chor aus Seuß­litz und Umge­bung zusam­men­setzt. Ziel des Pro­jekts ist die För­de­rung von Kunst und Kul­tur im länd­li­chen Raum und in die­sem Fall ver­knüpft sich mit dem Pro­jekt zudem die Hoff­nung, dass sich jemand fin­den möge, den Dorn­rös­chen­schlaf des Seuß­lit­zer Schlos­ses zu been­den. Des­halb der Hin­weis: Unse­re Geschich­te ist frei erfun­den, jede Ähn­lich­keitmit leben­den Per­so­nen ist rein zufäl­lig.

Oper „Imeneo“ Handlung und Hintergrund

In der Oper „Ime­neo“ von Georg Fried­rich Hän­del geht es um den Kon­flikt einer jun­gen Frau, Ros­me­ne. Sie liebt Tirin­to, aber der mäch­ti­ge Ime­neo ver­langt sie zur Frau. Sie wird zer­ris­sen zwi­schen dem, was die Gemein­schaft von ihr for­dert und ihrem Gefühl. Sie ist dem Druck schutz­los aus­ge­lie­fert, dies treibt sie letzt­lich in den Wahn­sinn. Urauf­füh­rung der Oper war 1740 in Lon­don, nur 16 Jah­re nach­dem das Seuß­lit­zer Schloss 1724 fer­tig­ge­stellt wur­de. Sein Besit­zer war der Kanz­ler des säch­si­schen Hofes, Hein­rich von Bün­au. Auch am säch­si­schen Hof lieb­te man die Oper, es bestand eine regel­rech­te Ver­net­zung zwi­schen euro­päi­schen (meist höfi­schen) Opern­büh­nen. Mehr­mals weil­te auch Hän­del am Dresd­ner Hof, von wo er eini­ge Sän­ger, dar­un­ter den welt­be­rühm­ten Sene­si­no, für sei­ne Lon­do­ner Opern­aka­de­mie abge­wor­ben hat. Es ist bemer­kens­wert, dass Kunst und Musik an den Höfen inter­na­tio­nal besetzt war und dadurch ein reger Kul­tur- und Gedan­ken­aus­tausch gepflegt wur­de. Auch davon zeu­gen die vie­len Barock­schlös­ser in säch­si­schen Dör­fern bis heute.

Wahr­schein­lich ist es eher Zufall, dass auch unser Solis­ten-Ensem­ble inter­na­tio­nal zusam­men­ge­setzt ist, sie stam­men aus Frank­reich, Eng­land, Por­tu­gal, Sach­sen und Thü­rin­gen  – stu­diert haben sie alle an der Hoch­schu­le für Musik und Thea­ter in Leip­zig und sind inzwi­schen wie­der­um inter­na­tio­nal tätig. Das Pro­jekt „Ime­neo“ begann bereits 2018 und 2019 führ­ten wir die Oper im Barock­schloss Delitzsch auf.

Nun adap­tie­ren wir „Ime­neo“ für die Seuß­lit­zer Schloss­park­büh­ne, mit viel mehr Platz im Frei­en und mit Augen­zwin­kern. Dabei ist es uns beson­ders wich­tig, den Pro­jekt­chor aktiv bei der Gestal­tung der Sze­nen ein­zu­be­zie­hen: die Sänger:innen des Lai­en­cho­res sind nicht nur Aus­füh­ren­de, son­dern ent­wi­ckeln die Sze­nen selbst mit. Das Ende der Oper kann man auf ver­schie­de­ne Wei­se inter­pre­tie­ren, wel­ches Ende wir in Seuß­litz sehen wer­den, ent­schei­det der Chor in den sze­ni­schen Proben.

Über­haupt steht für uns die Zusam­men­ar­beit mit Men­schen der Regi­on im Vor­der­grund. Wir sind sehr dank­bar für die vie­le Unter­stüt­zung z. B. der Gemein­de Nünchritz, dem Haus des Gas­tes, von den Par­ken­geln und vie­len Men­schen, die uns sehr freund­lich emp­fin­gen und tat­kräf­tig unter­stüt­zen. Im Moment bege­ben wir uns auf die Suche nach Per­so­nen, die uns im Back­stage-Bereich bei den Auf­füh­run­gen unter­stüt­zen können.

Wir hof­fen, dass sich die Pan­de­mie-Lage wei­ter ent­spannt. Da wir im Frei­en spie­len, sind wir opti­mis­tisch, mit unse­rem Hygie­nekon­zept vor Publi­kum spie­len zu kön­nen und wür­den ger­ne nach den Auf­füh­run­gen mit dem Publi­kum ins Gespräch kommen.

Besetzung:

Feli­ci­tas Wre­de – Clo­mi­ri
Sarah Kol­lé – Ros­me­ne
Ben­ja­min Mahns-Mar­dy – Ime­neo
Eti­en­ne Walch – Tirin­to
Joshua Mor­ris – Argenio

Kam­mer­or­ches­ter:
Mathi­as Frösch­le, Emi­li­ja Kor­tus, Quan Dao, Elif Basak, Kes­het Zeedal, Richard Gla­ser-Beis­ken, Mar­le­ne Gomes

Pro­jekt­chor:
Sän­ge­rin­nen und Sän­ger aus Seuß­litz und Umgebung

Anja-Chris­tin Wink­ler – Regie und künst­le­ri­sche Lei­tung
Dio­go Men­des – musi­ka­li­sche Lei­tung
Eli­sa­beth Schil­ler-Witz­mann – Büh­nen- und Kostümbild

Die Pre­mie­re fin­det am Sa., 31. Juli 2021, 19 Uhr im Park­thea­ter des Barock­schlos­ses Seuß­litz
Zwei­te Auf­füh­rung am So., 01. August 2021, 16 Uhr im Park­thea­ter des Barock­schlos­ses Seußlitz