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Johannes Kühl. Hommage zum 100. Geburtstag

Mai 2022


Teil I: Wer­ke vor 1945 & Im Schau­raum: Die Künst­ler des Gale­ris­ten Johan­nes Kühl. Von Eli­sa­beth Ahnert bis Wil­ly Wolff | Kunst­aus­stel­lung Kühl Dres­den.

Anläss­lich des 100. Geburts­ta­ges von Johan­nes Kühl wer­den rund 100 Gemäl­de, Aqua­rel­le, Gou­achen und Zeich­nun­gen gezeigt. Die Wür­di­gung, ver­teilt auf zwei sepa­ra­te Aus­stel­lungs­ab­schnit­te, ermög­licht einen neu­en Blick auf das wenig bekann­te Schaf­fen. Aus der Zeit von 1939 bis 1963 sind Land­schaft, Figur und Still­le­ben in stu­den­ti­schen Arbei­ten, prä­zi­sen Zeich­nun­gen der Dresd­ner Vor- und Nach­kriegs­si­tua­ti­on, spät­im­pres­sio­nis­ti­schen Ein­drü­cken und frei­en Aqua­rel­len zu sehen. Im zwei­ten Teil über­wie­gen die fein­sin­nig expres­siv-abs­trak­ten Wer­ke, die eben­falls eine eigen­stän­di­ge Hand­schrift erken­nen lassen.

Nach sei­ner Lebens­pha­se als Gale­rist und erst mit 70 Jah­ren gewährt Johan­nes Kühl wie­der öffent­li­chen Ein­blick in sein künst­le­ri­sches Oeu­vre. Das Dresd­ner Kup­fer­stich-Kabi­nett wid­met ihm 1992 eine ers­te opu­len­te Schau mit Aqua­rel­len und Zeich­nun­gen. Wei­te­re Kunst­wer­ke, wel­che der Dresd­ner Gale­rist den Samm­lun­gen ver­mit­tel­te, ergän­zen die Prä­sen­ta­ti­on, dar­un­ter Namen wie Felix­mül­ler, Fei­nin­ger, Hip­pold, Kes­ting und Schmidt-Rottluff.
Im Som­mer des­sel­ben Jah­res wer­den Gemäl­de und eini­ge Gou­achen in der Han­no­ve­ra­ner Gale­rie sei­nes Bru­ders Chris­toph Kühl prä­sen­tiert. Drei Jah­re nach sei­nem Tod fin­det eine umfang­rei­che Gemäl­de-Aus­stel­lung im Leon­har­di-Muse­um Dres­den statt.
Sieht sich der Künst­ler Johan­nes Kühl in den 50er Jah­ren hef­ti­ger For­ma­lis­mus Kri­tik des abs­trak­ten Wer­kes aus­ge­setzt, so scheint schließ­lich ein Ver­zicht auf die eige­ne Krea­ti­vi­tät mit der Wei­ter­füh­rung der väter­li­chen Gale­rie ab 1962 durch die DDR-Zeit, über die poli­ti­sche Wen­de bis 1994, unab­ding­bar. Als Kunst­ver­mitt­ler zuneh­mend inter­na­tio­nal aner­kannt, enga­giert er sich 32 Jah­re lang für non­kon­for­me Wer­ke von Kunst­schaf­fen­den. Inmit­ten des sonst pro­pa­gier­ten „Sozia­lis­ti­schen Rea­lis­mus“, kann so eine Oase für unab­hän­gi­ge Kunst weiterbestehen.

Johan­nes Kühl (1922 Dres­den – 1994 Baut­zen), Als jüngs­ter Stu­dent an der Aka­de­mie der bil­den­den Küns­te Dres­den, Meis­ter­schü­ler bei dem Spät­im­pres­sio­nis­ten Prof. R. Schramm-Zit­tau (Schü­ler von Prel­ler, Zügel u. Gott­hardt Kuehl), 1943 – 45 Sol­dat, 1946 Rück­kehr aus fran­zös. Kriegs­ge­fan­gen­schaft, frei­schaf­fend in Dres­den, etwa 1964 Auf­ga­be der künst­le­ri­schen Kar­rie­re, 1962 –1994 Galerist

Wer­ke in öffent­li­chen Samm­lun­gen: Staat­li­che Kunst­samm­lun­gen Dres­den (Kup­fer­stich-Kabi­nett, Pup­pen­thea­ter­samm­lung), Städ­ti­sche Gale­rie Dres­den, Städ­ti­sche Kunst­samm­lun­gen Chem­nitz, Muse­um der Bil­den­den Küns­te Leip­zig, Gra­phi­sches Kabi­nett Lin­denau-Muse­um Altenburg

Ausstellung im Schauraum:

Der Ein­satz für unbe­kann­te Künst­ler trägt oft­mals erst nach vie­len Jah­ren bestän­di­ger Gale­rie­ar­beit Früch­te; Geduld und Gespür für dau­er­haf­te Qua­li­täts­an­mu­tung sind uner­läss­lich. Bereits bei Gale­rie­grün­der Hein­rich Kühl wur­den ab 1927 erst­mals Arbei­ten von Her­mann Glöck­ner vor­ge­stellt, so auch von Bar­lach, Hegen­barth, Dix, seit den 30igern Beut­ner, die Brü­der Lach­nit, Loh­se, Querner, seit den 40ern Cas­sel, Chris­toph, Has­se­brauk, bei Johan­nes Kühl kamen hin­zu: Kretz­sch­mar, Wolff, seit den 70ern Lep­ke, Uhlig, Denn­hardt, um nur eini­ge zu nennen.

Die Wer­ke in unse­rem Schau­raum zeu­gen vom inne­ren Reich­tum und der Viel­sei­tig­keit der Dresd­ner Mal – und Zei­chen­qua­li­tät der 30iger bis 90iger Jah­re; ein Stück Kunst­ge­schich­te wird erlebbar.

Abb.: Johan­nes Kühl, Abend­li­che Erwar­tung (Gar­ten­re­stau­rant Dres­den-Ober­lo­sch­witz), 1950, Öl und Gouache/Lwd., 50,5 x 70,5 cm, Foto: Her­bert Boswank

www.kunstausstellung-kuehl.de