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Kamelienblütenschau 2021 – Info

Kamelienblüten, Öl, Schirme und eine Kugel

Nun end­lich soll es neben den geöff­ne­ten Glas­häu­sern auch wie­der eine Deut­sche und eine Säch­si­sche Kame­li­en­blü­ten­schau im Land­schloß geben. Aus Oran­ge­ri­en, Bota­ni­schen Gär­ten, Gar­ten­bau­be­trie­ben und pri­va­ten Samm­lun­gen wer­den 1000 Blü­ten in eini­gen hun­dert Sor­ten erwar­tet, die in beson­de­ren Gefä­ßen prä­sen­tiert wer­den. Mit der Mit­tel­deut­schen Kame­li­en­ge­sell­schaft arbei­ten wir dabei eng und gut zusammen.

Das Begleit­the­ma zur Schau zeigt auf, was über wun­der­schö­ne Blü­ten hin­aus die Kame­lie noch alles zu bie­ten hat. Früch­te, Samen, Holz, Rin­de und Wur­zel fin­den jeweils bedeu­ten­de  Anwen­dun­gen. Allein das ist so umfang­reich, dass wir die wich­tigs­te Nut­zung, die des Blat­tes, wel­ches uns den schwar­zen und grü­nen Tee lie­fert, außer Acht las­sen müssen.

Zuerst gibt es den natür­li­chen Kreis­lauf der Pflan­zen. Aus der befruch­te­ten Blü­te  ent­steht eine Kap­sel mit 1 bis 8 Samen, aus denen neu­es Leben erwächst. Da die Nach­kom­men samen­ver­mehr­ter Pflan­zen vari­ie­ren und von den Eltern abwei­chen, kön­nen so kei­ne Sor­ten erhal­ten wer­den. Die Säm­lin­ge die­nen ent­we­der der Züch­tung neu­er Sor­ten oder sie wer­den als Ver­ed­lungs­un­ter­la­ge genutzt.

Aus den Samen kann man aber auch ein vit­amin- und mine­ral­stoff­hal­ti­ges Öl durch Kalt­pres­sung erhal­ten. Allein in Chi­na wer­den jedes Jahr 200.000 t davon erzeugt, was schon auf eine viel­fäl­ti­ge Nut­zung hinweist:

  • Kame­li­en­öl hat ein ähn­li­ches cho­le­ste­rin­sen­ken­des Spek­trum wie Oli­ven­öl und fin­det in der Küche rei­che Anwendung.
  • Eiwei­ße und Ölsäu­ren drin­gen in Haut und Haar ein und haben eine glät­ten­de Wir­kung. Sanft glän­zen­des Haar und eine Haut ohne Fal­ten machen das Öl in der Kos­me­tik und Kör­per­pfle­ge hoch­be­gehrt. Wohl­rie­chen­de Par­füms sei­en dazu noch eine beson­de­re Zugabe.
  • Man­nig­fal­tig sind auch die Heil­wir­kun­gen, die von der Sen­kung des Cho­le­ste­rin­ge­hal­tes über krebs­ver­hü­ten­de Eigen­schaf­ten bis hin  zur Regu­lie­rung des Hor­mon­haus­hal­tes reichen.
  • Tech­ni­sche Anwen­dun­gen, wie zum Rost­schutz, zur Pfle­ge von Holz­ober­flä­chen und Leder, als Schmier­mit­tel in der Fein­me­cha­nik und als Lam­pen­öl sei­en hier als Bei­spie­le genannt.
Kochen mit Kamelienöl 

Die Nutzung von Kamelienöl wird in zwei von der Gestalterin Bea Berthold erdachten Szenen gezeigt. 

Ein beein­dru­cken­der Herd mit viel his­to­ri­schem Küchen­kup­fer dar­auf, his­to­ri­schem Kamel­zier­por­zel­lan in Schrän­ken und eif­ri­gen Köchen her­um wird das Kochen mit Kame­li­en­öl prä­sen­tie­ren. Die­ser Herd stand wohl einst in einem bedeu­ten­den Hotel oder Restau­rant in Dres­den, wel­ches ver­mut­lich dem Krieg zum Opfer fiel. Über Jahr­zehn­te haben dann die Gärt­ner des Bota­ni­schen Gar­tens dar­auf gekocht, bis er nun erst­ma­lig in Zuschen­dorf zu sehen sein wird. 

In einer zwei­ten Sze­ne sind unse­re Besu­cher in der Werk­statt eines japa­ni­schen Papier­schirm­bau­ers zu Gast. Die­se Schir­me wer­den mit Kame­li­en­öl was­ser­fest für Regen­ta­ge prä­pa­riert. Eine schö­ne Dame, sicher auch mit Kame­li­en­öl im Haar, damit es sanft im Mond­schein glänzt, wan­delt vor­bei, erfreut über ihren neu­en Schirm. Wäh­rend sich das Öl in der heu­ti­gen Zeit einer zuneh­men­den Beliebt­heit erfreut, gehört die Nut­zung des Hol­zes eher der Ver­gan­gen­heit an. Dies liegt jedoch weni­ger am Bedarf als viel­mehr am Man­gel die­ses edlen Roh­stoffs. Die natür­li­chen Kame­li­en­wald­be­stän­de sind groß­teils verschwunden. 

Schirm­werk­statt

Zu vie­le Begehr­lich­kei­ten gab es in den letz­ten Jahr­hun­der­ten.  Kame­li­en­holz ist sehr hart, dane­ben fein­po­rig, schwer und nach der Bear­bei­tung glän­zend. Zuerst bau­te der Mensch wie üblich dar­aus erst ein­mal Waf­fen und führ­te Krie­ge. Man drech­sel­te Gebrauchs­ge­gen­stän­de, wie Tel­ler und Tas­sen, bau­te dar­aus Werk­zeu­ge und Käm­me. Koke­shi-Pup­pen aus Kame­li­en­holz, sti­li­siert jun­ge Frau­en dar­stel­lend, ver­schenk­te man als Freund­schafts- oder Lie­bes­ga­be. Auch edle Möbel und Fur­nie­re ent­stan­den aus Kame­li­en­holz, wel­che sich vor allem in herr­schaft­li­chen Häu­sern finden.

Eine har­te Holz­koh­le, die fun­ken­frei ver­brennt, wur­de in beson­de­ren Ver­fah­ren her­ge­stellt. Vom Herd­feu­er über das Schmie­den von Samu­rai-Schwer­tern bis zum Ver­schlei­fen bei kunst­vol­len Lack­ar­bei­ten reich­te das Anwen­dungs­spek­trum. Selbst die Asche wird noch als Kata­ly­sa­tor bei der Her­stel­lung von Pur­pur- und Safran­far­ben verwendet.

Ein alter chi­ne­si­scher Brauch, der von Japan über­nom­men wur­de und teil­wei­se heu­te noch als Zere­mo­nie abge­hal­ten wird, ist das Ver­trei­ben böser Geis­ter mit einer Rute aus Kame­li­en­holz. Die­se gehör­te bis zur Edo-Peri­ode zu den Uten­si­li­en bud­dhis­ti­scher Pries­ter. Man glaub­te an die gehei­men Kräf­te der Kame­lie, das Schlech­te zu bestra­fen und das Böse zu vertreiben.

Dazu sei hier von einer hüb­schen Legen­de berich­tet. Es gibt in der Stadt Shi­ko­ku­chuo einen Kame­li­en­tem­pel, auf japa­nisch Tsub­ak­i­do (Tsub­aki = Kame­lie). In der frü­hen Heian-Zeit im Jah­re 815 soll dort ein böses Fie­ber geherrscht haben. Davon hör­te Kōbō Dai­shi und sah dort vor­bei, in der Hand einen Wan­der­stock aus Kame­li­en­holz. Die­sen ramm­te er in die Erde, um das Böse, das Fie­ber, ein­zu­däm­men.  Aus dem Stock wuchs eine wun­der­schö­ne Kame­lie, die sich zu einem gro­ßen Baum ent­wi­ckel­te. Im Jah­re 1859 brann­ten der Tem­pel und auch die Kame­lie nie­der. Doch aus den ver­brann­ten Res­ten der Kame­lie wuchs eine neue Pflan­ze. Die jet­zi­ge Pflan­ze soll über 300 Jah­re alt sein und trägt den Namen “Dai­shi Oto­baki”. Sie blüht jedes Jahr und trägt auch Früch­te. Genau die­sen Augen­blick, als der Stab aus Kame­li­en­holz in die Erde gesto­ßen wird und das ers­te zar­te Grün dar­aus sprießt, lässt sich im Salon mit erle­ben. Vom Kame­li­en­fluß umkreist, sehen wir den Mönch Kōbō Dai­shi, wie auch die Hüt­te mit Fiebernden.

Kame­li­en­wur­zeln fin­den bei Brand­wun­den und Kno­chen­brü­chen Anwen­dung. Die Rin­de soll bei Durch­fall helfen. 

Die Kame­lie, ein klei­ner, 10 bis 15 m hoch wach­sen­der Baum, von dem alle Bestand­tei­le dem mensch­li­chen Leben viel Gutes bescheren.

Vom Holzgestalter Georg Brückner zeigen wir einige Becher aus Kamelienholz. 

Kugeln von Peter Bortig

Über die Her­stel­lung berich­te­te er, dass er noch nie so har­tes Holz bear­bei­tet hätte.

Von Peter Bor­tig wur­den eini­ge klei­ne Kugeln eben­falls aus Kame­li­en­holz gedrech­selt. Er hat sich ganz der Kugel­form ver­schrie­ben. Der Kör­per mit der kleins­ten Ober­flä­che, bei dem alle Lini­en von außen zur Mit­te gleich lang sind. Die­se Form begeis­tert Phy­si­ker wie Phi­lo­so­phen glei­cher­ma­ßen. Gern nimmt Peter Bor­tig für sei­ne Kugeln die Wur­zel­stö­cke alter Bäu­me und erhält dadurch höchst inter­es­san­te Ober­flä­chen in beein­dru­cken­der Far­big­keit und Struk­tur, so, als wür­de man in die Kra­ter­land­schaft eines wil­den ent­fern­ten Pla­ne­ten tief hin­ein schau­en. Die Wur­zeln ver­an­kern den Baum in der Erde und ernäh­ren ihn, so dass er gen Him­mel wach­sen kann. Solch eine Kugel kann da durch­aus mal über einen hal­ben Meter Durch­mes­ser und ein Gewicht von über zwei Zent­nern haben. Die Erschaf­fung ist immer wie­der ein Aben­teu­er. Da kön­nen pro Kugel schon schnell ein­mal 40 alte Nägel,  oder andert­halb Was­ser­ei­mer an Gestein anfal­len. Nicht jeder wür­de das sei­nen Drech­sel­werk­zeu­gen zumuten.

Auch nutzt er Ver­ed­lungs­stel­len alter Obst­bäu­me, Ver­zwei­gun­gen oder Ver­let­zun­gen, die vom Leben des Bau­mes erzäh­len. Schließ­lich lebt Peter Bor­tig mit­ten im Bort­he­ner Obst­an­bau­ge­biet und da herrscht kein Man­gel an geeig­ne­ten Materialien. 

Neben Kugeln ent­ste­hen so auch gro­ße Scha­len, die im März dann auch Kame­li­en­blü­ten beher­ber­gen sollen.

Zum Schluss eine gute Nach­richt für Lieb­ha­ben von Kame­li­en­bil­dern: Moni­ka Zei­nar, Künst­le­rin aus Mei­ßen stellt wie­der Kame­li­en­aqua­rel­le aus.

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